Schreib. Es. Auf!

Kreisen in Deinem Kopf immer wieder dieselben Gedanken? Hast Du gerade ein oder mehrere Themen, über die Du häufig nachdenkst, weil Du vielleicht etwas klären willst?

Mit Nachdenken allein kommt man oft nicht sehr viel weiter. Eine gute Lösung ist, alles aufzuschreiben, was Dich gerade bewegt.

Das Schreiben, besonders das Tagebuch-Schreiben gehört für mich zu den Dingen, auf die ich in meinem Leben nicht verzichten möchte. Ich tue es mal mehr, mal weniger, wie es gerade passt, aber

Das Aufschreiben tut immer gut.

Als ich vierzehn war, hat mir eine Tante mein erstes Tagebuch geschenkt, mit einem Einband aus rotem Samtcord und das Coolste: zum Abschließen! Natürlich wollte ich nicht, dass meine Eltern oder sonst irgendjemand meine tollen Geheimnisse lesen konnte.

Die ersten Einträge waren gar nicht mal so spannend. Ich wusste nicht so recht, was und wie ich da eigentlich hineinschreiben wollte. Aber ich habe es getan. Immer mal wieder.

Später, als ich 15, 16 war, gab es diese chinesischen Tagebücher, mit den hübschen Seiden-Einbänden und einem roten Band als Lesezeichen.

Ich erinnere mich noch an den ersten elternlosen Urlaub, den ich mit einer Freundin machte, – daran wie wir beide in der Jugendherberge saßen und fleißig aufschrieben, was wir so erlebt hatten. Und da waren dann schon ein paar interessante Erlebnisse dabei 😉

Manchmal muss es einfach raus aus dem Kopf!

Ab da habe ich immer weiter geschrieben. Nicht unbedingt, was ich während des Tages gemacht hatte, sondern meine Gedanken zu bestimmten Ereignissen. Deshalb schrieb ich auch unregelmäßig, immer dann, wenn etwas Besonderes los war oder sich in meinem Kopf einiges angesammelt hatte, das raus musste.

Mit Ende Zwanzig habe ich mir ein Jahr ohne Arbeit gegönnt, – mit viel Zeit für meine Selbststudien. Damals habe ich dann auch die Kiste mit den Tagebüchern rausgeholt – es hatten sich schon einige angesammelt – und alle nacheinander gelesen.

Eine faszinierende Reise in meine eigene Vergangenheit!

Was mich manchmal störte, war der Schreibstil. Da tummelten sich viele Füllwörter. Ich schrieb halt so, wie es gerade herauskam. Ab und zu habe ich versucht, ein schöneres, literarisches Tagebuch zu schreiben, habe das aber nie lange durchgehalten.

Jahre später stieß ich auf das Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Sie empfiehlt das Schreiben von sogenannten Morgenseiten. Einfach schnell drauflos schreiben, wie es gerade kommt, ohne darüber nachzudenken und mindestens drei handgeschriebene Seiten. Man soll es hinterher auch gar nicht mehr durchlesen.

Es geht darum, es einfach rauszuschreiben.

Das hat meine Einstellung zum Schreiben gelockert. Ich schrieb hemmungsloser, was mir gerade durch den Kopf ging. Und da ich irgendwann auf den Laptop umstieg, ging mir das Viel-Schreiben auch lockerer von der Hand.

Inzwischen wechsle ich zwischen Computer und Handschrift, wie es gerade passt. Im Sommer benutze ich gern ein schönes Tagebuch und einen Füller, wenn ich irgendwo im Park sitze.

Inzwischen hat sich jedenfalls eine Menge Geschreibsel angesammelt.

In den letzten Monaten war dann viel passiert, doch ich bin wenig zum Schreiben gekommen. Es hat mir richtig gefehlt, aber irgendwie hatte ich keinen Antrieb dazu und wenig Zeit.

Dann stolperte ich über Julia Camerons Fortsetzung „Den Weg des Künstlers weitergehen“ und erinnerte mich wieder an die Morgenseiten. Seit einigen Wochen ist das jetzt mein gemütliches, frühes Morgen-Ritual: Milchkaffee im Bett und in den kleinen Laptop tippen, was mir so durch den Kopf geht.

Julia Cameron verspricht ja wundersame Ergebnisse, wenn man das tut. Das konnte ich anfangs nicht so nachvollziehen. Es war eben Tagebuch-Schreiben, angenehm, vertraut, wie immer halt. Aber nach ein paar Wochen habe ich die Wirkung doch stärker gespürt:

Die vielen Gedanken, die sonst endlos im Kopf herum kreisen, beruhigen sich.

Wenn man nämlich genau darauf achtet, wiederholen sich Gedanken über bestimmte Themen häufig. Sie kreisen in Endlosschleifen im Kopf herum und sobald das Thema in den Vordergrund rückt, nudeln sie die immer gleiche Botschaft ab.

Das bringt einen nicht unbedingt weiter.

Wenn man jedoch diese Gedanken aufschreibt, dann werden sie greifbarer. Sie fallen raus aus der Endlose-Schleife (manchmal dauert das ein paar Tage). Aber spätestens wenn man dasselbe zum fünften Mal aufgeschrieben hat, dann fällt es auf.

Man beginnt, anders darüber zu denken, man kommt weiter.

Sehr wohltuend ist das Aufschreiben auch bei intensiven, unangenehmen Gefühlen. Bei denen ist es einfach wichtig, dass sie nicht stumm im Inneren eingeschlossen bleiben, sondern ausgedrückt werden.

Das Schreiben ist also sowohl eine Art von Meditation, die die Gedanken zur Ruhe bringt, als auch eine Form der Selbst-Therapie, die neue Ideen und Lösungen hervorbringen kann.

Vielleicht schreibst Du ja schon ab und zu Tagebuch? Dann kann ich nur empfehlen, es eine Zeitlang mal täglich zu tun.

Vielleicht hast Du es aber noch nie gemacht und magst es jetzt mal probieren?

Besorge Dir eine inspirierende Kladde. Ich bevorzuge ein DIN A 5-Format mit einem festen Deckel, so dass ich unterwegs gut darin schreiben kann, und einen Füller oder anderen schönen Stift. Oder richte Dir ein Dokument auf deinem Laptop ein. Das kannst Du dann auch verschlüsseln, wenn Du magst. Schließlich ist das Geschreibsel Deine Privat-Angelegenheit. Es ist nicht dafür bestimmt, dass irgend jemand es sieht oder gut findet. – Es sei denn, Du möchtest das so.

Dann schreibe! Sammle Deine Erfahrungen damit.

Schreib jeden Abend auf, was Du am Tag gemacht hast.

oder

Schreib jeden Morgen, was Dir gerade durch den Kopf geht.

oder

Schreib unregelmäßig, wenn Du gerade mal Lust hat.

Vielleicht möchtest Du auch ein eher literarisches Tagebuch schreiben, wo Du Dir vorher schöne Formulierungen überlegst.

Vielleicht willst Du bei Problemen oder Entscheidungs-Schwierigkeiten deine Für- und Wider-Listen hineinschreiben.

Deine Träume und Wünsche, Pläne.

Was. Auch. Immer.

Ganz egal. Wenn das Schreiben dein Ding ist, wirst du deine Vorliebe schon herausfinden.

Und ganz wichtig: Sei nicht kritisch mit dem, was du geschrieben hast. Und wie du es geschrieben hast. Es ist eine Moment-Aufnahme.

Das bist du, in diesem Augenblick und das ist gut so.

Jetzt möchte ich natürlich wissen: Schreibst du schon Tagebuch? Was sind deine Erfahrungen?

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