Warum perfekt sein, wenn man auch Spaß haben kann?

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In den Medien und in der Werbung geht es oft um das perfekte Make-up, die optimale Figur, den perfekten Sex, den idealen Lebenspartner.

Alles in unserem Leben soll perfekt sein, auch die Berufsausbildung, das Wetter, am besten auch wir als Mensch.

Warum ist heutzutage die Perfektion so wichtig? Und was heißt das überhaupt?

Das griechische Wort perfectio bedeutet Vollkommenheit, Unfehlbarkeit. Es geht also um einen optimalen Zustand ohne den kleinsten Fehler, das höchste erreichbare Ziel, das nicht mehr zu verbessern ist.

Und wenn wir das nicht erreichen, was dann? Darfst Du dann nicht zufrieden sein? Musst Du Dich womöglich dafür schämen?

Wer stellt diese Regeln eigentlich auf?

Warum kann man nicht einfach so sein, wie man eben ist? Mit der nicht ganz perfekten Figur, dem Pickel am Kinn, der unaufgeräumten Wohnung und den mehr oder weniger ausgereiften Fähigkeiten, die man eben so hat?

Warum ist es nicht erlaubt, einfach mit sich selbst zufrieden zu sein?

Falls Du Dich in irgendeiner Disziplin verbessern möchtest, dann kannst Du das ja lernen und üben, bis Du es zufriedenstellend beherrschst. Zufriedenstellend für Dich selbst, meine ich. Und vielleicht ist MITTELMÄSSIG oder GUT ja völlig ausreichend … oder?

Woher kommt bloß diese Angst davor, nicht perfekt zu sein?

Es wurde uns antrainiert.

In der Schule bekamen nur die das Lob, die angepasst waren und alle Anforderungen brav erfüllt haben. Alle anderen wurden abgestraft. In vielen Berufen soll man auch nur die Aufgaben erfüllen und funktionieren, und in den Castingshows werden die, schräg singen oder auf dem Laufsteg stolpern, oft kritisiert und gedemütigt.

Bei solchen Phänomenen interessiert mich immer, wer davon profitiert.

Warum ist das überhaupt ein Traumziel, das Perfekt-Sein?

Wer hat etwas davon, wenn wir uns schämen, unvollkommen und fehlerhaft zu sein in irgendeinem Lebensbereich?

Es gibt Leute, die Dir einreden wollen, dass Dein Leben leichter ist, dass Du anerkannt, geliebt und bewundert wirst, wenn Du nur diese peinlichen Kanten und Macken nicht mehr hättest.

Das sind die Leute, die Dir etwas verkaufen wollen – Make-up, Abnehm-Wunderpillen, teure technische Geräte, Kleidung oder was auch immer.

Zuerst schüren sie die Unsicherheit und die Angst davor, ausgelacht zu werden, dann bieten sie Dir die Lösungen an, – versprechen in der Werbung, dass Du cool und unangreifbar sein wirst, wenn Du nur das richtige XYZ besitzt. Du musst einfach nur das richtige Produkt kaufen, dann bist Du auf der sicheren Seite.

Willst Du wirklich diese fremden Normen erfüllen?

Willst Du nicht lieber zu dir stehen, in dem Wissen, dass Du ein wertvoller Mensch bist, ganz egal, wie Du aussiehst, welchen Notendurchschnitt Du in der Schule hattest, was für ein Auto Du fährst oder ob Du überhaupt eins hast?

Lebenskünstler gehen ihren eigenen Weg

Mir geht es hier ja besonders gern um den kreativen Ausdruck. Auch da schlägt der innere Perfektionist gerne zu. Ich kenne das selbst – beim Singen zum Beispiel und Gitarre Spielen.

Öffentlich singen fand ich eine Zeitlang besonders schlimm. Obwohl ich als Kind gut und gerne gesungen habe, habe ich mich in späteren Jahren kaum getraut, meine Stimme vor anderen zu zeigen.

Seit einiger Zeit bin ich einen Nachmittag pro Woche als Beschäftigungs-Therapeutin auf einer Demenzstation. Die Anzahl der Dinge, die man dort mit einer Gruppe machen kann, sind begrenzt, aber Singen mögen alle und die Bewohner wissen vielleicht nicht mehr, wo sie sind, aber die Texte der alten Volkslieder kennen sie noch auswendig.

Anfangs war es mir total peinlich, dort die Vorsängerin zu geben, besonders wenn alle möglichen Betreuer und Pfleger in der Nähe herumschwirren. Inzwischen ist es zu einer Gewohnheit geworden, ich mache mir nicht mehr so viele Gedanken darüber. Und wenn die Stimme bei hohen Tönen mal quietscht, was soll`s . Inzwischen weiß ich auch, dass sich vom übrigen Personal ganz viele das Singen dort gar nicht trauen würden.

Wie schade, da Singen doch einfach für gute Laune sorgt. Besonders wenn eine 90-jährige Bewohnerin im Wohnzimmer mit knarziger Stimme mal spontan „Schön ist es auf der Welt zu sein!“ anstimmt oder wir Hand in Hand durch die langen Gänge wackeln und dabei in Endlos-Schleife „Oh, wie wohl ist mir am Abend“ singen 😉

Wen interessiert es, ob das nun perfekt klingt oder nicht? Niemanden!

Deshalb heute mein Tipp: Erlaube Dir, unvollkommen zu sein.

Ja noch mehr:

Erlaube Dir, schlecht zu sein!

Uuh! Ja, Du hast richtig gehört. Ganz und gar schlecht!

Wie wäre es, wenn Du einfach mal ganz schlecht singen würdest? Einfach so zu Deiner eigenen Unterhaltung? Oder vielleicht als Mutprobe …

Oder ein ganz mieses Gedicht schreiben würdest?

Ein dilettantisches Bild malen? Und Dich selbst daran erfreuen?

Würde die Welt untergehen – die Erde beben, Feuer vom Himmel fallen? Vermutlich nicht.

Du brauchst Deine Experimente auch niemanden zu zeigen, um eine Bestätigung zu bekommen, ob es in Ordnung oder ausreichend ist.

Du darfst nämlich selbst entscheiden, was Dir SPASS bringt und wie gut Du das können willst.

Wenn Du magst, probiere es einfach mal aus … und berichte in den Kommentaren von Deinen Erfahrungen. Ich bin schon gespannt.

Also, viel Spaß beim Fehler-Machen und mittelmäßigen Herumprobieren 😉

Deine Angela

P.S.:
Noch mehr zum Thema „Sei UnPerfekt“ gibt es bei der Blogparade von Jutta Held zu entdecken.

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2 Gedanken zu “Warum perfekt sein, wenn man auch Spaß haben kann?

  1. Hallo Angela,

    vielen Dank für Deinen so herzerfrischenden und berührenden Artikel zum UnPerfekt sein!
    Der Ansatz „Erlaube Dir, schlecht zu sein!“ , hat mich sofort angeflogen. Ja, es gibt so sehr unperfekte Fähigkeiten, die mir doch Spaß machen und Deine Satz hat mich erst recht ermutigt weiter falsch zu singen:)!

    Und die Beschreibung von Deiner Arbeit auf der Demenzstation hat mir bewusst gemacht, wie unwichtig perfekt sein doch ist!
    Einfach sein – das ist die Übung!

    Ich finde es schön, das Du bei meiner Blogparade, Deine Blogparaden-Premiere feierst! Danke für dieses Geschenk!

    Liebe Grüße nach Hamburg
    Jutta

    • Hallo Jutta,

      danke für diesen tollen Kommentar 😉 und das schöne Thema!
      Wünsche dir ganz viel Erfolg mit deiner Blog-Parade!
      Liebe Grüße
      Angela

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